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IKW2019, Lesung: Die Kurden - Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion

 

 

Gut 50 Personen kamen am 27. September 2019 zur Lesung von Kerem Schamberger ins Martin-Luther-Haus nach Mosbach. Kerem Schamberger ist Co-Autor des Buches „Die Kurden – Ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion“, aus dem er vorlas. Geladen hatte der Evangelische Kirchenbezirk und die Diakonie Neckar-Odenwald im Rahmen der Interkulturellen Woche und so begrüßten Dekan Folkhard Krall vom Kirchenbezirk sowie Jeannette Bell und Ines Neubauer von der Diakonie den Autoren und die anwesenden Gäste. „Wir sprechen nicht nur über die Kurden, sondern auch mit den Kurden“, betonte Jeannette Bell und freute sich damit über die zahlreich erschienenen Kurden und Kurdinnen.

Danach fing Kerem Schamberger, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung München sowie politischer Aktivist, mit seiner Lesung an. Sein Buch, das er gemeinsam mit dem Kommunikationswissenschaftler Prof. Michael Meyen schrieb, möchte auf die Freiheitsbewegung der Kurden hinweisen und die Demokratiebewegung nachzeichnen. Schamberger zeigte auf, dass das kurdische Problem auch ein deutsches Problem ist. Das Buch erzählt anhand von zwölf Frauen und Männern, meist Wissenschaftler/innen, Aktivisten und Journalisten, die kurdische Geschichte.

Kerem Schamberger, der eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater hat, liest aus dem zweiten Kapitel seines Buches: „Die kurdische Frage, von Duisburg aus gesehen“. Die Zuhörer werden auch mit Bildern mit hineingenommen in die Gründungsmythen der Kurden sowie den Erklärungsversuch, wo Kurdistan eigentlich liegt. Denn die über 30 Millionen Kurden haben zwar türkische, iranische, irakische oder syrische Pässe, sind aber das größte staatenlose Volk der Welt – ohne eigenes Land, ohne einheitliche oder klare Grenzen.

 

„Du kannst nicht in einem Teil Demokratie spielen und andere Teile massiv unterdrücken“, heißt es in Schambergers Buch über die türkische Politik, womit der Autor überschwenkt in einen Vortrag über die aktuelle Situation der Kurden und Kurdinnen in der Türkei. Fundiert und gut informiert berichtet er von Unterdrückung, politischer Willkür und ständigen Festnahmen. Er berichtet, wie mit der Türkei die zweitgrößte Nato-Armee gegen ein paar Tausend kurdische Kämpfer und Kämpferinnen ins Feld zieht und zeigt Bilder von zerbombten Städten im Osten der Türkei, wie man sie sonst aus Syrien kennt.

 

Des Weiteren berichtet Schamberger von drei Schicksalen, von drei Kurden und Kurdinnen in der Türkei. Unter anderem von einer Frau, die während einer Ausgangssperre, die viele Wochen andauerte, von türkischen Scharfschützen angeschossen wurde und auf der Straße vor ihrem Haus verwundet liegenblieb. Zwei Verwandte wurden beim Versuch, ihr zu helfen, erschossen und verletzt. Die über fünfzig Jahre alte Frau lag mehrere Tage hilflos auf der Straße bis sie starb. Nach sieben Tagen erst konnte ihr Leichnam geborgen werden. Im Raum ist es mittlerweile ganz still geworden. Kerem Schamberger liest weiter aus dem zweiten Kapitel und erläutert die Ursprünge des Konflikts in der Türkei. Dabei geht er auch auf die Unterschiede der Sprache ein und erwähnt, dass sich im Westen der Türkei viele Kurden und Kurdinnen, vor allem in den großen Städten, türkisch fühlen.

 

Schamberger möchte seinen Abend nicht mit den schweren, negativen Eindrücken abschließen und berichtet von Positivem: Der „konkreten Utopie“ im Norden Syriens beispielsweise, in Rojava, bei der ein basisdemokratisches System mit der Bekämpfung des Patriachats und ökologischen Projekten umgesetzt wird. In Rojava werden Entscheidungen von den Kommunen bis hin zum Volksrat Westkurdistans getroffen, die Befreiung der Frau ist hier vollzogen, viele sind in öffentlichen Ämtern und Berufen aktiv, die sonst eine Männerdomäne, auch in Deutschland, darstellen. Dem Umweltschutz, vor allem dem Kampf gegen die Versteppung widmet man sich zudem, die Überzeugung, dass es keinen Sinn macht für die Zukunft zu kämpfen, wenn der Klimawandel nicht gemildert wird, ist hier zentral. Schamberger war selbst mehrfach und lange vor Ort und betonte, dass es neben den Aufbrüchen dort immer noch Krieg gibt, „mit deutschen Panzern und Unterstützung des Westens“.

 

Bei der abschließenden Diskussion wurde dann gar nicht viel diskutiert, zu sehr wirkten die Fakten und Bilder. Zwei Kurden unterstrichen die Richtigkeit Schambergers Darstellungen. Eine Kurdin erzählte, dass sie hier in Mosbach auch immer wieder Probleme haben, wenn sie für ihr Volk demonstrieren möchten. Generell würde bei Kurdinnen und Kurden eine Nähe zur verbotenen PKK unterstellt. Schamberger unterstrich ihre Erfahrungen, gegen ihn laufen aktuell 15 Verfahren wegen des Zeigens verbotener, angeblicher PKK-Symbole und Ähnlichem. Ein in Mosbach lebender Kurde brachte in gebrochenen Deutsch das Anliegen des Autors vielleicht am besten auf dem Punkt: „Wir verstehen, wie Erdoğan uns unterdrückt. Aber wieso unterdrückt uns Deutschland, wieso der Westen? Wir brauchen Hilfe! 

Kirchenbezirke und Diakonie beteiligen sich an Kampagne "Platz für Asyl" - 1000 Stühle auf dem Marktplatz in Stuttgart

Mehr als tausend bunt gestaltete Stühle aus ganz Baden-Württemberg hat die Diakonie am 15. Mai in einer Installation auf dem Stuttgarter Marktplatz ausgestellt. Als Vorbild für die Aktion dienten Asylstühle und Asylsteine, die in alten Kirchen zu finden sind. Die Diakonie macht sich mit der Kampagne „Platz für Asyl“ für den Flüchtlingsschutz und eine offene Gesellschaft der Vielfalt stark. Die Stühlegestalterinnen und Stühlegestalter mit und ohne Fluchtgeschichte stammen aus Flüchtlingsinitiativen, Kirchengemeinden, Schulen, diakonischen Einrichtungen und Kommunen. 

„Platz für Asyl“ ist eine Aktion der Diakonie Württemberg in Kooperation mit der Diakonie Baden und den Caritasverbänden der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Erzdiözese Freiburg. Mehr als 120 der Stühle wurden von der Diakonie in Baden gestaltet.  

Mit der Kampagne wollen die Initiatoren einen Beitrag leisten für ein vielfältiges und menschenfreundliches Europa. Der Termin kurz vor der Europawahl war deshalb bewusst gewählt.  

Der Neckar-Odenwald-Kreis war ebenfalls auf dem Marktplatz vertreten. Die Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration der Kirchenbezirke Mosbach und Adelsheim-Boxberg, Nancy Gelb, hatte sowohl mit der Stadt Buchen und dessen Frauentreff des Mehrgenerationenhauses sowie mit dem Begegnungscafé Martin-Lutherhaus Mosbach Stühle gestaltet. Ebenfalls hatten die Gruppe Rover der Pfadfinder Mosbach, Stamm Bernhard von Baden sowie die Zentralgewerbeschule Buchen Stühle gestaltet. Alle gemeinsam war dann Teil der Installation auf dem Marktplatz.

Neben der Installation auf dem Marktplatz waren Besucherinnen und Besucher zu einem liturgischen Mittagsgebet in der Stiftskirche eingeladen, das von Menschen mit und ohne Flüchtlingshintergrund gestaltet wurde. Es gab ein Bühnenprogramm mit Vertretungen aus Kirche, Politik und Gesellschaft und die Band „füenf“ trat auf.