Eine Ausbildung - keine einfache Sache

Azubis treffen sich beim Diakonischen Werk zum Austausch

Mosbach/Haßmersheim. Sie kommen aus verschiedenen Ländern. Sie lernen verschiedene Berufe. Aber in einem sind sie sich einig: Es ist sehr schwer, als Geflüchteter eine Ausbildung in Deutschland zu machen.

Deshalb hatte das Diakonische Werk im Martin-Luther-Haus in Mosbach zwei Abendveranstaltungen für Azubis, die in den Gemeinschaftsunterkünften in Mosbach und Haßmersheim wohnen, eingeladen. Bei insgesamt 17 Teilnehmern zeigte sich die Sozialarbeiterin Lisa Mechler zufrieden: „Mit unserem Angebot haben wir offensichtlich ein wichtiges Thema aufgegriffen, sonst hätten sich nicht so viele Männer nach einer anstrengenden Arbeitswoche nochmals auf den Weg gemacht.“ Ziel des Abends war es, den Männern wichtige Informationen für ihre Ausbildung zu geben und aufzuzeigen, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können. Außerdem konnten sich die Auszubildenden austauschen und sich so gegenseitig Mut für Ihre Ausbildung machen. Gegen Ende des Abends wurden häufig auftauchende Fragen und Missverständnisse im Blick auf die Arbeit und Rolle eines Azubis in Deutschland besprochen. „Es gehört einfach dazu, dass ein Azubi den Auftrag bekommt, die Werkstatt zu fegen und die Maschine zu putzen. Das ist keine Schikane“, erklärte die Sozialarbeiterin Hannelore Göttert, die davon überzeugt ist, dass das gegenseitige Verstehen und Verständnis füreinander eine wichtige Basis für eine erfolgreiche Ausbildung sind.

Die Veranstaltungen sind Teil eines Projektes, das durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration gefördert wird.

Integration im Neckar-Odenwald-Kreis: Wie viel Engagement ist gewünscht?
Untertitel: Austausch zwischen Asylkreisen, Kreistagsmitgliedern, Landkreis und Wohlfahrtsverbänden

Buchen. Nach dem Treffen mit Bürgermeisterinnen und Gemeindevertretungen im Juni fand das zweite „Gespräch in einem Boot“ über Asyl und Integration im Alten Rathaus in Buchen statt. Eingeladen hatten die Asylkreise mit Unterstützung des Diakonischen Werkes die Kreistagsfraktionen, die Landkreisspitze und die Wohlfahrtsverbände. Insgesamt kamen an diesem Abend rund 30 Aktive zusammen, die zu den Themen Verlegung in die Anschlussunterbringung, Wohnen, Ausbildung, Arbeitssuche und Zusammenarbeit im Neckar-Odenwald-Kreis Erfahrungen und Wissen austauschten.

Die Stadt Buchen hatte Saal und Getränke zur Verfügung gestellt und damit maßgeblich für die einladende Atmosphäre gesorgt. Der Beigeordnete der Stadt Buchen, Thorsten Weber, betonte: „Das Thema Integration wird uns noch lange, lange in allen Feldern der kommunalen Arbeit beschäftigen. Die Sozialarbeit zurückzufahren wird nicht funktionieren.“ Weber bedankte sich bei den Ehrenamtlichen für Ihr Engagement und lobte die gute Zusammenarbeit mit dem Asylkreis vor Ort. Guido Zilling, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, führte aus, dass das Ehrenamt einen guten Rahmen für Integrationsarbeit brauche. Die ehrenamtlich Engagierten wirken, so Zilling, in zwei Richtungen: In die Gesellschaft hinein, da sie von ihren Kontakten berichten und in Richtung der hier Angekommenen. Ihnen vermitteln sie Sprache, Kultur und politisches Leben. Die Erfahrungen der Ehrenamtlichen, die auf guten Beziehungen mit Geflüchteten beruhen, seien eine wertvolle Ressource für Planungen auf politischer wie behördlicher Seite. Ebenso kann dort, so Zilling weiter, für Menschen Positives erreicht werden, wo Sozialarbeiter*innen und Bürger*innen mit Geflüchteten im guten Gespräch sind.

In der Zuhörerschaft saßen neben interessierten Ehrenamtlichen auch zwei junge Männer, die 2015 aus Syrien und dem Irak zu uns gekommen waren. Beide sprechen inzwischen gut Deutsch. Das Beispiel des Auszubildenden, der sich bereit erklärt hatte, seine Bilder für die Präsentation zur Verfügung zu stellen, verdeutlichte, von welchen Unwegsamkeiten die Integration in den Arbeitsmarkt für den einzelnen Asylbewerber sowie seinen Ausbildungsbetrieb geprägt ist. Da der Ausgang des Asylverfahrens noch nicht bekannt ist, besteht die Unsicherheit, ob er im Falle eines negativen Asylbescheids ein Arbeitsverbot bekommen könnte und dann auch abgeschoben würde. Für alle Beteiligten – den Azubi, den Betrieb und die Ehrenamtlichen, die nicht nur diese Lehrstelle vermittelt haben - wäre dies ein Engagement mit bitterem Ausgang. Man stellte fest: die im Integrationsgesetzt angestrebte Rechtssicherheit für Azubi und Betrieb ist bisher nicht in behördlichen Prozessen abgebildet. Dass man Integration aber nicht rückabwickeln sollte und vor allem auch die dringenden Fachkräfte im ländlichen Raum benötige, betonte Kreisrätin Amelie Pfeiffer, Bündnis 90/ Die Grünen. Die Vertretungen der CDU-Fraktion des Kreistages, Jens Wittmann, und der SPD-Fraktion, Heide Lochmann, pflichteten Pfeiffer bei. Bürgermeister und Kreisrat Wittmann betonte, dass sich viele Geflüchtete selbst in kleinen Dörfern inzwischen heimisch fühlten, was ein Gewinn für die Gemeinden darstelle. „Die Problematik um die Ausbildungsduldung muss vom Landkreis eine politische Ebene höher ins Regierungspräsidium getragen werden“, schloss Nancy Gelb, Kirchenbezirksbeauftragte für Flucht und Migration der ev. Kirchenbezirke Mosbach und Adelsheim-Boxberg.

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