Eröffnungsrede zur Ausstellung "Angekommen - Angenommen von Guido Zilling, Geschäftsführer Diakonie Neckar-Odenwald

 

 

Sehr geehrter Herr Landrat Dr. Brötel,
liebe Ausstellungsmacher*innen,
sehr geehrte Damen und Herren,

 

im Namen des Diakonischen Werkes und des Kirchenbezirks Mosbach begrüße ich Sie recht herzlich zur Ausstellung „Angekommen-Angenommen“, die auch Teil unserer Interkulturellen Woche 2019 ist.

 

„angekommen – angenommen“, ein schöner Titel, wie ich finde. Noch schöner sind die Geschichten, die hier vorgestellt werden. Sie zeigen, was gut gelungen ist. Es ist schön, diese Erfolge zu sehen. Denn so unterschiedlich die Menschen auf den Fotos sind, so haben sie doch gemeinsam, dass ihnen etwas gelungen ist, was oft unter dem Begriff „Integration“ gefasst wird.

 

Natürlich ist Integration kein Selbstläufer. Sie verläuft selten linear. Integration ist ein Prozess mit Höhen und Tiefen, Erfolgen und Rückschlägen. Ankommen erfordert, dass Pläne gemacht, aber auch wieder verändert werden. Oder wie es ein bekannter Satz formuliert:

„Wenn Plan A nicht funktioniert, keine Panik, das Alphabet hat noch 25 andere Buchstaben.“

 

Die Portraits, die hier gezeigt werden, erzählen daher selten von Plan A. Vielmehr von Plan B oder C. Zum Beispiel, wenn Ausbildungsabschlüsse aus dem Herkunftsland nicht anerkannt werden, wenn der Wunschwohnort keine Bleibe bietet oder wenn sich die Strukturen und Eigenheiten des Gesundheits- und Sozialstaates nicht erschließen lassen. Für das Ankommen ist es dann unerlässlich, dass auf der anderen Seite das Annehmen steht…

 

Es braucht die Bereitschaft von uns allen, auf den anderen zuzugehen, ihn zu verstehen und gemeinsame Wegstrecken zu bewältigen. Daher zeigen die Fotos auf den Roll-Ups auch die Menschen, die den Portraitierten das Ankommen leichter gemacht haben: die Ehrenamtlichen, die sie auf dem Weg begleitet haben, die Arbeitgeber, die Chancen gegeben haben, die Vereine, die Nachbarn und Freunde.

 

„Zusammen leben, zusammen wachsen“, heißt auch das Motto der diesjährigen Interkulturellen Woche des Kirchenbezirks. Wir als Gesellschaft wachsen zusammen, wenn wir einander annehmen. Annehmen gelingt nur dort, wo alle Bereitschaft zeigen, aufeinander zuzugehen, sich auf das Gegenüber einzulassen. Annehmen und integrieren bleibt eine Daueraufgabe für alle Bürgerinnen und Bürger unserer Gesellschaft, nicht nur im Hinblick auf die Menschen, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben.

 

Die Soziologin Annette Treibel spricht mit ihrem Buch „Integriert euch!“ demzufolge nicht nur diejenigen an, die zu uns kommen und hier auf Teilhabemöglichkeiten hoffen, nein, sie bezieht sich ebenso auf die sogenannte Aufnahmegesellschaft, und betrachtet Integration auch aus der Perspektive des „Zusammenhalts innerhalb einer Gesellschaft“ bzw. der Frage „Ist eine Gesellschaft als solche integriert?“. Oder um es in den Worten von Omar Al Aboudi, einem Teilnehmer des Fotoprojektes, zu sagen: „Alle wollen, dass wir uns integrieren, aber sie müssen uns auch lassen.“

 

Die leitende Frage hierbei ist aus meiner Sicht: Wo gelingt es uns, Zusammenhalt zu gestalten und wo gelingt dies (noch) nicht? Zusammenhalt auch zwischen Arm und Reich, West und Ost, Jung und Alt, manchmal vielleicht Schwaben und Badener und eben auch der Alt-Bürger und der Neu-Bürger. (Wir wollen die Freizügigkeit in Europa und wir brauchen Zuwanderung, nicht nur, aber auch für die Pflege, das Handwerk, Industriebetriebe und andere Aufgaben in unserer Gesellschaft, für die es an Händen fehlt.) Integration verändert nicht nur Menschen und deren Lebensläufe, Integration verändert auch Gesellschaften.

 

Die Ausstellung zeigt Integration in Bildern, ohne dass abschließend definiert werden muss, was Integration ist. Bei jedem sieht sie ganz unterschiedlich aus. Sie hat eben zu tun mit Begegnung zwischen Menschen, mit dem Teilhaben an etwas, sei es das Sprachcafé oder der Verein. Es freut mich, dass Menschen von hier den Mut gefunden haben, über ihre Erfahrungen, ihre Lebensgeschichten zu erzählen. Menschen, die sich vielleicht in dem Zitat wiederfinden: „Alle sagten, das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht, und hat es gemacht.“

Die Geschichten erzählen vom Machen, vom Mitmachen und Weitermachen. Die vorgestellten Personen werden damit auch zu „Mutmachern“ für andere Menschen; ein ganz herzliches Dankeschön dafür.

 

Ich danke sehr herzlich allen Ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, dem Team der Fotografinnen und Fotografen, den Mitwirkenden der Presse sowie dem Grafiker, die gemeinsam dieses außergewöhnliche Projekt auf den Weg gebracht und so professionell umgesetzt haben; und ich danke auch den beiden Verantwortlichen, die dieses Projekt begleitet haben.

 

„Ehrenamt braucht Hauptamt“, gilt auch hier, deshalb vielen Dank an Sie, lieber Peter Wojcik, Integrationsbeauftragter des Landkreises, und Ihnen, liebe Ines Neubauer, unsere kirchlich-diakonische Fachberaterin. Danke, dass Sie beide gemeinsam dieses Projekt begleitet und mit umgesetzt haben.

 

Gerade in der Zusammenarbeit für die Menschen mit Fluchthintergrund, aber eben nicht nur hier, ist das engagierte und gute Miteinander der kommunalen Verwaltungen mit uns als Wohlfahrtsverband ausgesprochen wertvoll und im Hinblick auf die gelingende Integration unverzichtbar, schön, dass dieses Miteinander hier sichtbar wird, vielen Dank.

 

Guido Zilling, Geschäftsführer Diakonie Neckar-Odenwald